Sophie Maske – Ein Kochbuch als Zeugnis seiner Zeit
Eine Maturaarbeit von Sofia Huber und Nina von Arx (G4), Betreuungslehrperson: Jeannine Hauser
Was haben Sie gemacht bzw. untersucht? Welches Produkt ist entstanden?
In unserer Arbeit haben wir ein altes Kochbuch aus dem Jahr 1844 als Hauptquelle benutzt, um Rückschlüsse auf den gesellschaftlichen Stand der Verfasser:innen zu ziehen. Dazu mussten wir zunächst das gesamte Kochbuch transkribieren, da es in alter deutscher Handschrift (Sütterlinschrift) verfasst wurde. Im nächsten Schritt haben wir die Rezepte, deren Zutaten und Zubereitungsarten analysiert und mit der Literatur abgeglichen. Zusätzlich war es unser grosser Wunsch, das Kochbuch zugänglicher zu machen. Deshalb haben wir ein neues Kochbuch mit ein paar ausgewählten Rezepten sowie Familienfotos der Verfasserinnen designt.
Auf welche Fragen wollten Sie eine Antwort finden? Weswegen? Was interessiert Sie an diesem Thema?
Wir wollten anhand des Kochbuchs den gesellschaftlichen Stand der Familie ermitteln und verstehen, welche Rolle die Kulinarik im 19. Jahrhundert spielte. Besonders interessierte uns, wie sich die gesellschaftlichen Umbrüche der Industrialisierung in alltäglichen Dokumenten wie einem handgeschriebenen Kochbuch widerspiegeln. Da es sich um ein Familienerbstück handelt, interessierte uns gleichzeitig auch die Geschichte der Familie. Aus der Kombination unserer Interessen hat sich dann unsere Arbeit ergeben.
Was waren Hürden? Wie haben Sie diese gemeistert?
Eine grosse Hürde war definitiv die Transkription des Kochbuchs. Keine von uns beiden konnte zuvor die alte deutsche Handschrift lesen. Auch die Künstliche Intelligenz hatte Probleme, diese Seiten zu entziffern. Also nahmen wir Referenzbilder des Sütterlin-Alphabets zur Hilfe und entzifferten damit die Wörter. Zusätzlich erschwert wurde das Finden von Quellen dadurch, dass die Kulinarik der mittleren Gesellschaftsschicht während der Industrialisierung in Deutschland eine eher kleine Nische der Geschichte ist. Eine tiefere Auseinandersetzung mit Swisscovery und dessen Suchfiltern führte dann aber zu einigen Treffern, die die Grundlage für unsere Arbeit bildeten.
Was war Ihr persönliches "Highlight" in Zusammenhang mit der Abschlussarbeit?
Für uns war es definitiv ein grosses Highlight, als wir zum ersten Mal das gedruckte eigene Buch in den Händen hielten. Nach unzähligen Stunden und etlichen Hindernissen war es ein tolles Gefühl, das fertige Produkt endlich in den Händen zu halten. Auch das Nachkochen einiger Rezepte stellte sich als sehr interessant und lustig heraus. Mit Zutaten, die uns bislang völlig unbekannt waren, versuchten wir Rezepte mit Angaben wie:«… im heissen Ofen backen» nachzuahmen. Nicht zuletzt waren auch die vielen Fakten und Erkenntnisse, die wir durch unsere Recherchearbeit gewonnen haben, immer wieder spannend.
Wie geht es nach dem Abschluss für Sie weiter? Welche Pläne haben Sie?
Für uns geht es, entgegen der geschichtlich ausgerichteten Arbeit , an der ETH sehr naturwissenschaftlich weiter. Nina wird pharmazeutische Wissenschaften und Sofia Umweltnaturwissenschaften studieren. Doch zuvor werden wir unsere langen Ferien ausdrücklich geniessen!

Die Drolerien des Chorgestühls der Klosterkirche Wettingen – Eine ikonologische Analyse
Eine Maturaarbeit von Jana Kernen (G4), Betreuungslehrperson: Stefanie Nydegger
Was haben Sie gemacht bzw. untersucht? Welches Produkt ist entstanden?
In meiner Maturaarbeit habe ich die grotesken Schnitzereien am Chorgestühl der Klosterkirche Wettingen untersucht. Diese Figuren werden als Drolerien bezeichnet und waren bisher kaum Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. Mithilfe einer ikonologischen Analyse nach Erwin Panofsky und einer umfangreichen Literaturrecherche habe ich ihre Symbolik, Funktion und Bedeutung im Kontext der zisterziensischen Klosterkultur erforscht. Die verschiedenen Drolerien habe ich acht Motivgruppen zugeordnet und ausgewählte Beispiele genauer analysiert. Dabei zeigte sich, dass die Figuren weit mehr als nur dekorativer Schmuck sind. Sie dienten als moralische Warnbilder und standen bewusst im Kontrast zu den Heiligenfiguren des Chorgestühls. So vermittelten sie zentrale Werte des Zisterzienserordens wie Disziplin und Verzicht. Entstanden ist eine wissenschaftliche Arbeit, die neue Erkenntnisse über die Bedeutung dieser einzigartigen Schnitzereien liefert.
Auf welche Fragen wollten Sie eine Antwort finden? Weswegen? Was interessiert Sie an diesem Thema?
Mich interessierte, weshalb sich an einem kirchlichen Chorgestühl neben Heiligenfiguren auch groteske und teilweise unheimliche Schnitzereien befinden. Ich wollte herausfinden, wie diese Darstellungen bezeichnet werden, welche Bedeutung sie besitzen und welche Funktion sie im klösterlichen Alltag erfüllten. Besonders spannend fand ich die Frage, ob sich aus den Figuren Rückschlüsse auf die Wertvorstellungen der Wettinger Zisterzienser ziehen lassen. Das Thema faszinierte mich, weil die Schnitzereien zwar täglich von vielen Menschen gesehen werden, ihre Symbolik jedoch kaum bekannt ist. Mit meiner Arbeit wollte ich einen Beitrag dazu leisten, diesen oft übersehenen Teil des kulturellen Erbes besser verständlich zu machen.
Was waren Hürden? Wie haben Sie diese gemeistert?
Eine grosse Herausforderung war, dass über die Drolerien des Wettinger Chorgestühls bisher nur sehr wenig geforscht wurde. Die Bedeutung der einzelnen Figuren lässt sich aus der heutigen Perspektive oftmals nicht mehr eindeutig bestimmen, weshalb ich unterschiedliche kunsthistorische Quellen miteinander vergleichen und kritisch auswerten musste, was sich als sehr zeitaufwändig herausstellte. Eine weitere Hürde entstand durch Renovierungsarbeiten der Klosterkirche. Dadurch war das Chorgestühl für den Grossteil meiner Arbeit nicht zugänglich, was eine ausführliche Dokumentation und Katalogisierung der Drolerien erschwerte.
Was war Ihr persönliches "Highlight" in Zusammenhang mit der Abschlussarbeit?
Ein besonderes Highlight war für mich zu erleben, wie gross das Interesse an meiner Arbeit und den daraus gewonnenen Erkenntnissen war. Sowohl während der Präsentation an der Kantonsschule Wettingen als auch am nationalen Wettbewerb von Schweizer Jugend forscht durfte ich meine Forschung einem interessierten Publikum vorstellen. Besonders bereichernd waren die Gespräche mit Menschen aus den unterschiedlichsten Fachrichtungen – von Kunsthistorikerinnen und Kunsthistorikern bis hin zu Personen aus völlig anderen Wissensgebieten. Der Austausch eröffnete mir neue Perspektiven auf mein Thema und zeigte mir, dass historische Forschung auch heute auf grosses Interesse stossen kann. Diese Begegnungen haben meine Begeisterung für die Kunstgeschichte zusätzlich bestärkt.
Wie geht es nach dem Abschluss für Sie weiter? Welche Pläne haben Sie?
Ab Herbst 2026 werde ich an der Universität Zürich Kunstgeschichte sowie Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft studieren. Ich freue mich darauf, mein Interesse an Kultur, Geschichte und Kunst wissenschaftlich weiterzuverfolgen und mein Wissen zu vertiefen. Gleichzeitig freue ich mich darauf, mich auch künftig an verschiedenen Projekten zu beteiligen, in denen ich die Erkenntnisse aus meiner Maturaarbeit weitergeben und vertiefen kann.

Umgang mit dem Klimawandel im urbanen Raum. Ein Konzept zur zukunftsgerichteten Anpassung des Theaterplatzes Baden
Eine Maturaarbeit von Elisa Christen (G4), Betreuungslehrperson: Michael Studer
Was haben Sie gemacht bzw. untersucht? Welches Produkt ist entstanden?
Im Rahmen meiner Maturaarbeit habe ich mich mit den Auswirkungen des Klimawandels im urbanen Raum beschäftigt und ein zukunftsgerichtetes Umgestaltungskonzept für den Theaterplatz in Baden entwickelt. Das Ziel dabei war, den Beitrag des Platzes zur Klimaresilienz der Stadt zu erhöhen und eine zukunftsangepasste Begegnungszone im urbanen Raum zu schaffen. Dazu habe ich neben der Analyse der aktuellen Situation mögliche zukünftige Nutzungs- und Gestaltungsvarianten des Platzes entworfen und bewertet sowie ein Zielkonzept erarbeitet und mithilfe von Skizzen visualisiert.
Auf welche Fragen wollten Sie eine Antwort finden? Weswegen? Was interessiert Sie an diesem Thema?
Das Thema Klimawandel ist hochaktuell! Wir spüren derzeit alle, wie unangenehm ein Sommer mit Temperaturen von 38 °C und mehr werden kann – und das sind erst die minimalen, ersten Auswirkungen des Wandels. Umso wichtiger ist es, dass in der modernen Raumplanung der Fokus auf eine zukunfts- und klimagerichtete Gestaltung gelegt wird: mit Begrünung, sinnvollem Wassermanagement, der gezielten Lenkung von Kaltluftströmen sowie einem Fokus auf Biodiversität und innerstädtische Freiräume. In meiner Arbeit wollte ich diese theoretischen Ansätze auf das konkrete Beispiel des Theaterplatzes anwenden.
Was waren Hürden? Wie haben Sie diese gemeistert?
Die Lage und momentane Gestaltung des Theaterplatzes weisen einige Schwierigkeiten auf; so ist die Fläche beispielsweise durch ein Parkhaus unterbaut, was den Wurzelraum möglicher Begrünungselemente stark einschränkt. Für die Nutzung des Platzes bestehen zudem verschiedene Zielkonflikte. Mit diesen Problemen umzugehen und eine passende und vor allem möglichst realistische Lösung zu finden, die gleichzeitig den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Anforderungen an den Platz standhält, war für mich wohl die grösste Hürde. Der Austausch mit meinem Umfeld und das Anschauen klimagerechter Lösungen für ähnliche Probleme in anderen Städten haben mir dabei geholfen, neue Ideen zu finden und diese Schwierigkeiten zu überwinden.
Was war Ihr persönliches "Highlight" im Zusammenhang mit der Abschlussarbeit?
Obwohl es immer wieder Phasen mit mehr oder weniger Motivation gab, habe ich im Grossen und Ganzen sehr gerne an meiner Maturaarbeit gearbeitet. Ich konnte viele neue Aspekte eines Themas kennenlernen, für das ich mich ohnehin schon interessiere und das zudem sehr aktuell ist. Als persönliches Highlight würde ich den Schritt bezeichnen, in dem ich meinen finalen Umgestaltungsentwurf ausgearbeitet habe. Das war der Moment, in dem die einzelnen theoretischen Ansätze, Überlegungen, Ideen und Entwürfe plötzlich zusammenfanden und eine mögliche Zukunftsperspektive für den Theaterplatz entstand.
Wie geht es nach dem Abschluss für Sie weiter? Welche Pläne haben Sie?
Nach dem Abschluss möchte ich Geografie studieren, da dies ein sehr breiter und interdisziplinärer Studiengang ist, der Räumliches und Gesellschaftliches vereint – etwas, das mir persönlich besonders wichtig ist. Denn tatsächlich wirksam gegen die grossen Probleme der Gegenwart – wie beispielsweise den Klimawandel – vorgehen, kann man wohl nur, wenn Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und gesellschaftliche Interessen zusammen gedacht werden.





