Hello & Bye Bye

Zur Pensionierung von Hannes Giger

Text: Thomas Hunziker für die Fachschaft Instrumental-Unterricht
Bild: KSWE

«von unterwegs gesendet in entsprechender Kürze und Orthographie – sent from the road – where the pavement ends – please excuse brevity and spelling»

Dieser Satz, am Ende so mancher E-Mail von Hannes Giger zu lesen, lässt schon einige der zahlreichen Facetten unseres sehr geschätzten langjährigen Kollegen anklingen. Tatsächlich muss Hannes Tag für Tag ständig unterwegs gewesen sein, mit seinen diversen Arbeitsorten in Brugg, Frick, Aarau, Baden, Olten oder als Zuzüger bei diversen Orchestern, von Chur über Basel bis nach Dresden. Und doch kamen seine elektronischen Antworten meist sehr speditiv, eben schon von unterwegs, worunter brevity and spelling übrigens kaum je zu leiden hatten.

Ständig on the road war Hannes während seines gesamten Arbeitslebens, im übertragenen Sinn ebenso wie geografisch. Das Studium führte ihn nach der Matura an der Alten Kanti Aarau von Basel über Genf in die USA, wo er in diversen Ensembles und Jazzbands mitspielte. Seither ist Hannes in ungefähr allen Musikstilen zuhause, in welchen sein Instrument gebraucht wird, und das sind sie fast alle: Jazz, Bluegrass, Klezmer und Schweizer Volksmusik sind ihm alle gleich lieb und vertraut wie die Welt der klassischen Musik. Entsprechend war es ihm als Instrumentallehrer wichtig, seinen Schülerinnen und Schülern all diese Musikrichtungen ebenfalls näherzubringen und sie zum Experimentieren zu animieren.

Auf die Anstellung an der Alten Kanti Aarau nach rund drei Jahrzehnten eines vielfältigen Berufslebens folgte jene an der Kanti Wettingen und Olten. Hannes genoss es, nun auch auf dieser Stufe zu unterrichten. Er begleitete viele motivierte Schülerinnen und Schüler und schätzte es, dass er sich mit ihnen auf Augenhöhe austauschen und arbeiten konnte, und auch, dass sie sich von ihm gerne auch etwas aus ihrer Komfortzone holen liessen. Oft konnte er Schülerinnen und Schüler, die bei ihm zuvor an den Musikschulen Frick, Baden, Brugg oder Windisch im Unterricht waren, auf der Mittelstufe weiterunterrichten. Hannes wurde so zum prägenden Mentor für Generationen von jungen Bassistinnen und Bassisten im Aargau. Sein pädagogisches Hauptanliegen ging aber über die Kantizeit hinaus (und was wäre denn sonst das Hauptmerkmal eines guten Lehrers?), wollte er doch seinen Schülerinnen und Schülern das Rüstzeug mitgeben, um sich in ihrem späteren Leben, auf der freien musikalischen Wildbahn, mit Freude und Können weiter zu betätigen.

Wer nun denkt, dass Hannes seine Zeit hauptsächlich in seinem Mini Cooper auf der A1 verbracht hätte, kennt seine Einträge auf der Sportplattform «Strava» nicht. Viele Arbeitswege legt er auf dem Fahrrad zurück. Ob da nachts um 22 Uhr noch zwei Juraketten dazwischen liegen, kümmert ihn wenig. High frequency Tretkadenz auf dem Fahrrad, lowfrequency@gmx.ch lesen wir als Absender der on the road geschriebenen Nachricht. Es waren die tiefsten Töne, die Hannes’ Leben als Kontrabassist bestimmten.

Obwohl er seine Musikalität oft in den Dienst anderer stellt, das Fundament von so manchem Orchester und Band legt, ist Hannes auch ein kreativer Schöpfer von Musik. Nicht selten entwickelt er aus der spontanen Improvisation Musik, die später als Theatermusik oder als Konzertstück weiterlebt. Für die Kreation seiner Werke sucht er gerne die Stille einsamer Landschaften. Einen Dienstaltersurlaub in Island im Jahr 2019 hat er dazu verwendet, für seinen Kontrabass ein Werk zu komponieren.

Es fällt nicht leicht, sich Hannes nun plötzlich retired statt on the road vorzustellen – aber es ist wohl auch nicht nötig, da er als Kontrabassist gewiss weiterhin auf den verschiedensten Wegen und Stegen unterwegs sein wird, sei es mit, sei es ohne pavement.

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