Mit Dr. Andreas Widmer verabschiedet die Fachschaft Geschichte der Kantonsschule Wettingen eine Persönlichkeit, die sie über Jahrzehnte hinweg geprägt hat. Seine analytische Schärfe, seine methodische Vielseitigkeit und nicht zuletzt sein Humor werden uns in lebhafter Erinnerung bleiben.
Legendär waren seine anschaulichen Unterrichtsgrafiken. Komplexe historische Zusammenhänge erklärte er nicht einfach, sondern durchdrang sie visuell. Geschickt nutzte er Pfeile, Kästchen und Linien, um historische Ursachen, Wirkungen und Verflechtungen aufzuzeigen. Seine Schülerinnen und Schüler lernten, hinter die Oberfläche zu blicken und Entwicklungen kritisch zu hinterfragen – «The bigger picture».
Offen für Innovationen
Andreas Widmer setzte sich mit Überzeugung für fächerübergreifenden Unterricht ein und schätzte die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Auch im Kontext von Immersionsunterricht und International Baccalaureate (IB) zeigte sich seine Offenheit gegenüber Innovationen und neuen Ansätzen. Auch wenn sein Schwerpunkt immer auf dem Hauptfach Geschichte lag, war er als Anglist mit Unterrichtserfahrung in den USA dafür bestens qualifiziert.
Dabei war Dr. Widmer alles andere als ein abgehobener Theoretiker. Seine erste Ausbildung als Automechaniker prägte ihn, gab ihm Bodenhaftung und einen Sinn für solides Handwerk. Diese Haltung übertrug sich auch auf seinen Unterricht.
Wer durch die Glastür des Zimmers H174 einen Blick auf ihn erhaschen konnte, sah ihn oft auf einem der vorderen Schülertische oder auf der Lehne eines Stuhls sitzen. Seinem Naturell und seiner pädagogischen Haltung entsprach es, die Schülerinnen und Schüler direkt anzusprechen, sie aufzufordern Stellung zum Stoff zu beziehen. Dazu bewegte er sich mit dem Laptop in der Hand unermüdlich im gesamten Unterrichtsraum.Die Freiheiten von Apple AirPlay hat er wie kaum ein anderer genutzt.
Vielfältige Talente
Zu erwähnen sind aber auch seine überraschenden Talente. Windsurfen, Tanzen und Mountainbiken scheinen auf den ersten Blick wenig mit Geschichtsunterricht zu tun haben, aber sie passen ins Bild dieser dynamischen und vielseitigen Lehrerpersönlichkeit.
Diese Vielseitigkeit floss auch in seinen Unterricht ein. Ein Beispiel: Er verwendete den Song „She Works Hard for the Money” von Donna Summer, um amerikanische Werte zu vermitteln und zu diskutieren. Natürlich spielte er nicht einfach das Video ab, sondern stimmte mit der Klasse einen Wechselgesang an – fast schon in der Rolle eines Predigers. Das war ein sinnliches und einprägsames Erlebnis, das die Schülerinnen und Schüler sicher nicht vergessen werden. Andy verstand es seinen ernsthaften Unterricht auch mit einem Augenzwinkern zu inszenieren.
Mit Dr. Andreas Widmer verlässt ein Lehrer die KSWE, der im besten Sinne „hard for the money“ gearbeitet hat: engagiert, reflektiert und mit Herzblut.
Wir danken ihm für seinen Einsatz für das Fach Geschichte und wünschen ihm für den neuen Lebensabschnitt alles Gute.



